Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Re: Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Die habens verstanden - wir nicht:
Estlands Regierung hat ein 500 Millionen Euro schweres Beschaffungsprogramm für neue Schützenpanzer auf Eis gelegt. Die freiwerdenden Mittel sollen stattdessen in Drohnenabwehr, Luftverteidigung und Aufklärungsfähigkeiten fließen – eine direkte Konsequenz aus dem Krieg in der Ukraine.
Pevkur erläuterte, die Streitkräfte sollten künftig gezielt in unbemannte Systeme, weitreichende Präzisionswaffen und Aufklärung investiert werden. Der Minister verwies darauf, dass sich das Gewicht moderner Kriegführung zunehmend in Richtung Langstreckenfeuer und der Einflussnahme auf den Gegner aus möglichst großer Distanz verschiebe – ohne dabei konventionelle Panzeroperationen grundsätzlich auszuschließen. Estland baut im Verbund mit Litauen bereits an einer sogenannten „Baltic Drone Wall“, einem Abwehrschirm gegen feindliche Drohnen entlang der Ostgrenze. Rund um Tallinn hat sich zudem ein wachsendes Rüstungs- und Technologiecluster gebildet, das spezialisierte Systeme zur Drohnenerkennung und -abwehr entwickelt.
Re: Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Najo, unsere Panzer werden auch nur modernisiert und nicht neu beschafft.
Re: Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Würde ich so nicht sagen. Bei begrenzten Mitteln muss halt priorisiert werden, und die eingesetzten CV 9035NL sind frühe Nullerjahre, da ist also kein großer Druck. Wahrscheinlich wäre das Vorhaben, Ersatz zu beschaffen, noch gar nicht angestoßen worden, hätte es nicht die Möglichkeit gegeben, im multinationalen Rahmen einzukaufen und dadurch Geld zu sparen.
Re: Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Wobei, die Modernisierung des Leo und Ulan war Priorität 1, bei PAL oder Flugabwehr warten wir schon seit vier Jahren.
Re: Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Worum es mir geht ist, dass man offensichtlich erkannt hat, dass sich die Verhältnisse am Gefechtsfeld (und in den Vorstufen dazu) aufgrund entscheidender technologischer Entwicklungen geändert haben und man und tatsächlich Schritte setzt, diese zu würdigen. Das ist bei uns im Westen leider derzeit nicht im erforderlichen Umfang der Fall, was angesichts der klaren Evidenz vor der Haustüre und der umfangreich verfügbaren Mittel doch verwunderlich ist.
Die Eigenentwicklung bzw. Selbstproduktion von Drohnen und deren Abwehrmittel ist dabei ein wichtiger Baustein - in diese Richtung Mittel umzulenken sinnvoll.
Die Eigenentwicklung bzw. Selbstproduktion von Drohnen und deren Abwehrmittel ist dabei ein wichtiger Baustein - in diese Richtung Mittel umzulenken sinnvoll.
Re: Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Verstanden, aber man könnte (und müsste) Beides tun: UAS zukunftsfähig einführen und zum Einsatz bringen, und die mechanisierten Kräfte weiterentwickeln, denn nur mit Drohnen erzielt man keine Durchbrüche. Dass in Zeiten knapper Mittel das Eine über das Andere priorisiert wird, ist nur eine (leidige) Folge davon, dass man die Weiterentwicklung der mechanisierten Kräfte verschlafen hatte, als man Zeit und Gelegenheit hatte, sie in Angriff zu nehmen.
Will sagen, in meinen Augen ist die eine Entscheidung nicht per se richtig, die andere nicht per se falsch.
Richtig oder falsch werden sie durch Folgeentscheidungen, ob also ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird. Und da spielt halt Lagerdenken innerhalb der Streitkräfte eine große Rolle. Wer kriegt das erste Stück der Pizza? Ist nicht zu vermeiden. Wichtig ist, dass alle satt werden, solange noch Zeit ist.
Will sagen, in meinen Augen ist die eine Entscheidung nicht per se richtig, die andere nicht per se falsch.
Richtig oder falsch werden sie durch Folgeentscheidungen, ob also ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird. Und da spielt halt Lagerdenken innerhalb der Streitkräfte eine große Rolle. Wer kriegt das erste Stück der Pizza? Ist nicht zu vermeiden. Wichtig ist, dass alle satt werden, solange noch Zeit ist.
Re: Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Auch da denke ich, dass wir uns mehr an der Realität orientieren müssen. Ich kann mir - abgesehen von räumlich begrenzten Gegenstößen - kein Szenario im Verteidigungsfall vorstellen, bei dem wir wesentliche mechanisierte Durchbrüche erzwingen könnten. Wir wären in einem asymetrischen Konflikt und ziemlich sicher nicht der dominante Gegner, der auf Geländegewinne abzielt.
Unser Problem ist vielmehr das Verhindern gegnerischer Durchbrüche und da sieht es leider im Zeitalter massenhaft vorhandener Drohnen, weitreichender Waffen und des transparenten Gefechtsfelds ganz schlecht aus. Ich bin z.B. Jäger und meine einzige Waffe gegen eine jetzt nicht komplett unwahrscheinliche gegnerische FPV-Drohne ist der nächste Busch, unter dem ich mich verstecken kann, falls nicht zufällig einer der 36 FlA-Pandur in der Nähe ist. Und nicht mal auf Kompanieebene hätten wir irgendwas, um uns wehren zu können - nicht mal Manpads.
Das Drohnenthema alleine würde eine umfangreiche Anpassung unserer Gefechtstaktik auf allen Ebenen erfordern - die sehe ich aber nicht und das ist nicht einmal eine Geldfrage, sondern nur eine, ob man die neue Realität anerkennt oder weiterhin der Vollarmee des Kalten Kriegs mit ihren Gefechtstechniken nacheifert. Mein Eindruck ist, dass das Thema schlichtweg ignoriert wird oder dass man darauf hofft, dass die Industrie das irgendwie löst oder das nix passiert. Damit sind wir in Europa aber eh in guter Gesellschaft.
Und ja: daran ist auch das Lagerdenken schuld.
Unser Problem ist vielmehr das Verhindern gegnerischer Durchbrüche und da sieht es leider im Zeitalter massenhaft vorhandener Drohnen, weitreichender Waffen und des transparenten Gefechtsfelds ganz schlecht aus. Ich bin z.B. Jäger und meine einzige Waffe gegen eine jetzt nicht komplett unwahrscheinliche gegnerische FPV-Drohne ist der nächste Busch, unter dem ich mich verstecken kann, falls nicht zufällig einer der 36 FlA-Pandur in der Nähe ist. Und nicht mal auf Kompanieebene hätten wir irgendwas, um uns wehren zu können - nicht mal Manpads.
Das Drohnenthema alleine würde eine umfangreiche Anpassung unserer Gefechtstaktik auf allen Ebenen erfordern - die sehe ich aber nicht und das ist nicht einmal eine Geldfrage, sondern nur eine, ob man die neue Realität anerkennt oder weiterhin der Vollarmee des Kalten Kriegs mit ihren Gefechtstechniken nacheifert. Mein Eindruck ist, dass das Thema schlichtweg ignoriert wird oder dass man darauf hofft, dass die Industrie das irgendwie löst oder das nix passiert. Damit sind wir in Europa aber eh in guter Gesellschaft.
Und ja: daran ist auch das Lagerdenken schuld.
Zuletzt geändert von Woyzeck am Mi 15. Apr 2026, 15:49, insgesamt 1-mal geändert.
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theoderich
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Re: Estland stoppt die Beschaffung von Schützenpanzern
Das BIP/Kopf von Estland betrug 2025 nur 30380 € (Österreich: 55710 €). Man lag unter den EU-Mitgliedsstaaten an 17. Stelle und deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 41600 €.
