Österreich soll (wieder) wehrfähig werden. Was man beim Bundesheer darunter versteht, wurde am Dienstag beim Panzergrenadierbataillon 35 im niederösterreichischen Großmittel (Bezirk Wiener Neustadt) demonstriert. Vor den Augen von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) rollten in der Jansa Kaserne zwei generalüberholte Panzer am Exerzierplatz vor.
Rüstungsdirektor Harald Vodosek sprach von einem Meilenstein, denn erstmals seit Jahrzehnten erhalten die mechanisierten Kräfte des Heeres für 750 Millionen Euro umfassend modernisierte Panzer.
Politische Entscheidung
Der teuren Beschaffung waren jahrelange Diskussionen vorausgegangen, bis schließlich 2021 die Entscheidung für die Generalüberholung und Modernisierung der Ulan-Schützenpanzer und Kampfpanzer Leopard-2A4 erfolgte.
Wie Vodosek am Dienstag im Zuge des Festaktes zur Übergabe der ersten Panzer erklärte, sei auf Basis eines aktualisierten Risikobildes die Entscheidung gefallen, „die Landesverteidigung wieder in den Mittelpunkt zu stellen und dabei die Domäne Land zu stärken“.
Es habe sich klar ergeben, dass die beiden Systeme im Rahmen hybrider und konventioneller Bedrohungen zum Einsatz kommen können, erklärte der Rüstungschef. Außer der Hülle der teils 40 Jahre alten Panzer ist nicht viel gleich geblieben. Die Modernisierung umfasst das Cockpit und die elektronischen Systeme, Fahrwerk, den Panzerturm, die Bewaffnung, Kommunikation und einiges mehr. Der Leopard bekommt außerdem Komponenten der neuen Kampfpanzer-Generation.
Wertschöpfung bleibt in Österreich
Den begehrten Millionenauftrag teilen sich ein heimisches und ein deutsches Unternehmen. Der Rad- und Kettenfahrzeughersteller General Dynamics European Land Systems-Steyr (GDELS) mit seinem Werk in Wien-Simmering modernisiert sukzessive die 112 Ulan-Schützenpanzer. Aktuell befinden sich 20 Panzer des Heeres zur Umrüstung im Unternehmen, erklärt Geschäftsführer Martin Reischer.
Neben dem Bundesheer profitiere vor allem der Technologiestandort Österreich von solchen Beschaffungen, so der Firmenchef. Konstruktion, Entwicklung, Integration, Produktion bzw. Instandhaltung finden zu einem großen Teil in Österreich statt, sagt Reischer.
Die Ulan werden schrittweise von ihren Standorten in NÖ und Oberösterreich zur Modernisierung nach Wien gebracht und dort umgebaut.
Vorbild für andere NATO-Staaten
Die Leopard-Kampfpanzer erhalten ihre Frischzellenkur - im Militärjargon spricht man von kampfwertgesteigert - beim deutschen Rüstungskonzern KNDS. Firmenmanager Gerhard Greifenegger sprach davon, dass Österreich mit dem Modernisierungsauftrag Vorreiter in Europa war. Viele andere NATO-Staaten würden mittlerweile diesem Weg folgen.
Der Umbau gehe weit über eine einfache Umrüstung hinaus. Beim Leopard-2A4 werden unter anderem veraltete Komponenten ersetzt, die Nachtkampffähigkeit wiederhergestellt sowie die Turmhydraulik durch einen elektrischen Antrieb ersetzt. Für die Modernisierung sind rund 305 Millionen Euro vorgesehen. Die Leopard-Flotte werde so für mindestens weitere 20 Jahre auf moderne Beine gestellt.
Das gemeinsam mit dem Bundesheer entwickelte Umrüstungspaket hat sich laut Greifenegger bei der Firma inzwischen zu einem „Standardprogramm für die Modernisierung des Leopard“ entwickelt. Am Dienstag erfolgte die Übergabe der ersten von insgesamt 58 modernisierten Kampfpanzer.
Aufbauplan 2032+
Ministerin Klaudia Tanner zeigte sich zufrieden mit der strategischen Entscheidung, zumal es im Vorfeld viel Skepsis gab, ob die Modernisierung der insgesamt 170 Panzer für das Heer auch zu stemmen ist. „Es waren viele Studien und viel Arbeit im Vorfeld nötig. Aber jetzt können wir sagen, wir nähern uns im Sinne des Aufbauplanes 2032+ der Verteidigungsfähigkeit“, so Tanner im Zuge des Festaktes bei der Fahrzeugübergabe in Großmittel.
Bis zum Jahr 2026 stehen dem Heer insgesamt rund 26 Milliarden Euro für Ausbau und Modernisierung zur Verfügung. „Sicherheit ist vielleicht nicht alles, aber am Ende des Tages ohne Sicherheit alles nichts ist“, so Tanner zur Notwendigkeit des aufgestockten Rüstungsbudgets.
kurier.at, paw | 25.08.2026, 13:16