Bundesheer soll 2032 „voll verteidigungsfähig“ sein
Wenn man bei einem Bundesbudget von Gewinnern und Verlierern sprechen will, so ist für das Doppelbudget 2027/28 eines klar: Der Wehr-Etat ist einer, wenn nicht der Gewinner schlechthin. Denn das Verteidigungsbudget steigt weiter deutlich – und zwar von 5,16 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 5,43 Milliarden 2028.
Wie stark die Mittel für Österreichs militärische Sicherheit hochgefahren werden, das können Experten wie Oberst Daniel Moser, der stellvertretende Chef der Budgetabteilung, beschreiben. Gemeinsam mit Ressortchefin Klaudia Tanner und Generalstabschef Rudolf Striedinger präsentierte Moser nun die Details des Verteidigungsbudgets. Und eine der bemerkenswertesten Zahlen ist diese: 2028 wird die Republik für Investitionen in die Armee so viel Geld ausgeben, wie 2020 für das gesamte (!) Bundesheer, nämlich: rund zwei Milliarden Euro.
Auslandseinsätze
Der Grund für die Aufrüstung liegt grosso modo in den 2000er-Jahren begründet. Damals, so erklärt Generalstabschef Striedinger, sei das Bundesheer vor allem auf eine Fähigkeit getrimmt, man könnte auch sagen: reduziert worden, nämlich Auslandseinsätze.
Die umfassende und robuste militärische Landesverteidigung war kein Thema. Man wähnte sich geografisch sicher, von Freunden und NATO-Ländern umgeben.
Spätestens 2022, also mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine, habe sich die Lage um „180 Grad gedreht“. Und nunmehr laufe der „Wiederaufbau“ der Armee. Soll heißen: Das Bundesheer versucht, all jene Fähigkeiten wiederherzustellen, die es laut Verfassung ohnehin immer hätte haben müssen, also: die Republik, ihr Territorium und die Bevölkerung ohne die Hilfe ausländischer Kräfte militärisch verteidigen zu können.
Frieden
„2032 wollen wir vollumfänglich verteidigungsfähig sein“, sagt Ministerin Tanner, die bei der Gelegenheit einmal mehr erwähnt, dass die Wiederaufrüstung der Armee kein Selbstzweck ist. „Wir investieren nicht in den Krieg, sondern wir investieren, um den Frieden zu erhalten.“
Bemerkenswert ist, wie sich die Struktur der Ausgaben in den nächsten Jahren verändern wird: Wurden 2020 noch 53 Prozent des Budgets auf Personal verwendet, sinkt dieser Wert bis 2028 auf 33 Prozent. Im Gegenzug werden 26 Prozent für den laufenden Betrieb verwendet; der Rest - rund 40 Prozent der Ausgaben – fließt in Investments, also in Verbesserungen an der Infrastruktur, in neues Gerät und Ähnliches.
Fünf Prozent des Budgets bekommt die „Zentralstelle“, also das Ministerium; die restlichen 95 Prozent verbleiben bei der Truppe.
Wenig Neues gibt es bei zwei wesentlichen, budgetrelevanten Themen, nämlich: bei der Wehrpflicht und der Eurofighter–Nachfolge.
Was die Wehrpflicht angeht, bestätigt Tanner, dass die für eine Verlängerung nötigen 200 bis 300 Millionen Euro vorerst nicht im Regelbudget verbucht worden sind - eben weil man sich noch nicht auf ein Modell hat einigen können. Zur Frage, ob und wann die Wehrpflicht verlängert wird, will sie nur so viel sagen: Ihre Position sei bekannt (Tanner plädiert für eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst nach dem Wunsch der Wehrdienstkommission). Und ob es dazu kommt, das werde gerade im Parlament verhandelt.
Beim größten Beschaffungsprojekt, das die Armee je vorhatte – der Nachfolge der Eurofighter - ist man einen kleinen Schritt weiter: Von der Öffentlichkeit unbeachtet, hat der Ministerrat offiziell beschlossen, was im Regierungsprogramm steht, nämlich: Die Regierung will und wird Nachfolge–Jets kaufen. Und klar sei auch: Der Kauf muss wohl gesondert finanziert werden. Denn die veranschlagten zehn Milliarden Euro kann die Armee nicht aus dem laufenden Budget stemmen.
kurier.at, Bö | 11.06.2026, 18:00
https://kurier.at/politik/inland/bundes ... /403168260
Eurofighter-Nachfolge, Raketenabwehr, Wehrpflicht: Das Bundesheer verhandelt weiter
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) sagte in seiner Budgetrede im Parlament nicht viel über das Bundesheer, aber bei einem Satz nickte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) auf der Regierungsbank heftig mit: Die Koalition werde über zusätzliche Beschaffungen eigens beraten – und „das betrifft insbesondere die Nachfolge der Eurofighter“. Damit hat Marterbauer vor Zeugen klargestellt, dass es Verhandlungen über ein Budget für neue Abfangjäger geben wird. Und das war in der Vergangenheit nicht immer so fix.
Die Information ist für Tanner wichtig, denn ihr Haus steckt gerade in einem Zwiespalt: Einerseits ist das Verteidigungsministerium eines der wenigen Ressorts, das in den kommenden Jahren mehr Budget bekommt. Heuer sind es inklusive Ermächtigungen (also Zusatzmitteln aus dem Finanzministerium) knappe 5,2 Milliarden Euro, in den kommenden zwei Jahren werden es 5,3 und 5,4 Milliarden Euro sein. „Noch nie in der Geschichte hatten wir ein so hohes Budget“, sagte Tanner am Donnerstag. Aber andererseits: Das Verteidigungsministerium hatte mit mehr Mitteln gerechnet. Der sogenannte Aufbauplan sieht nämlich vor, dass bis 2032 zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in das Heer fließen. Geht man von einer linearen Steigerung aus – wie es die Truppe bisher tat –, wären es 2027 mehr als sechs Milliarden Euro gewesen.
Tanner hält trotzdem weiterhin am Zwei-Prozent-Ziel bis 2032 fest. Hier kommt wieder jener Satz von Marterbauer ins Spiel, in dem er weitere Verhandlungen angesprochen hat. Neben den neuen Abfangjägern will Tanner ein Sonderbudget für die bodengebundene Luftabwehr (also Raketensysteme, die gegen Angriffe aus der Luft eingesetzt werden) langer Reichweite. Fixiert ist schon die Anschaffung der Abwehr mittlerer Reichweite, mit 500 Millionen Euro bis 2030. Auch die neuen Leonardo-Flieger, die gemeinsam mit den Eurofightern den Luftraum schützen, werden wie geplant geliefert.
Das Heer hält in seinem neuen, noch nicht öffentlichen jährlichen Landesverteidigungsbericht dennoch fest: „Die geplante Herstellung der vollen Verteidigungsfähigkeit der Republik Österreich wird verzögert“, wie die „Presse“ berichtet. Die Budgetlage müsste sich ab 2028 verbessern, ansonsten könnten manche Punkte im Aufbauplan schwerer umgesetzt werden.
Grundsätzlich hält Tanner fest: „Wir werden ausschließlich im Verwaltungsbereich sparen, ganz sicher nicht bei der Truppe.“
Und die Wehrpflicht?
Mehrkosten für eine potenzielle Wehrpflichtreform sind übrigens nicht im Budget inkludiert. Wie auch? Noch steht nicht fest, wie der Wehrdienst der Zukunft aussehen wird. Sollte sich die Regierung einigen, wird Tanner aber auch hier mit Marterbauer noch verhandeln.
https://www.sn.at/politik/innenpolitik/ ... art-655971
Verteidigung: Tanner hofft 2028 doch noch auf mehr Geld
Das Bundesheer gehört zu den Gewinnern des Doppelbudgets. Während die meisten Ressorts künftig mit weniger Mitteln auskommen müssen, steigt das Verteidigungsbudget von heuer 4,76 Milliarden bis 2028 auf 5,18 Milliarden Euro an. „Das Bundesheer hatte noch nie so ein hohes Budget wie in den kommenden beiden Jahren“, betonte Ministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Donnerstag bei einem Pressetermin. Das sei allerdings „kein Selbstzweck, sondern eine Konsequenz daraus, dass die Welt eine viel unsicherere geworden ist“. Ins Regelbudget aufgenommen wird nun die Anschaffung neuer Leonardo-Jets, die bisher über Ermächtigungen abgesichert war, auch für die Anschaffung von Raketen mittlerer Reichweite sind bis 2030 500 Millionen Euro vorgesehen.
Gespart werden muss auch beim Personal, geht aus dem gemeinsam mit dem Doppelbudget veröffentlichten Stellenplan des Bundes hervor. In Tanners Zuständigkeitsbereich soll die Zahl der Planstellen 2028 um 130 auf 21.712 reduziert werden. „Wir sparen ausschließlich im Verwaltungsbereich, nicht bei der Truppe“, betonte Tanner, unter anderem würden manche Pensionierungen nicht nachbesetzt werden. Zufrieden ist die Ministerin mit den Kürzungen trotzdem nicht, „eigentlich brauchen wir einen Aufwuchs in verschiedenen Bereichen.“ Bevor die Stellen 2028 tatsächlich wegfallen, „werden noch weitere Verhandlungen notwendig sein“.
Längerer Grundwehrdienst nicht einbudgetiert
Auf die Möglichkeit von Nachverhandlungen verweist Tanner auch bei den zwei großen, ungeklärten Fragen im Verteidigungsbudget. Keine Mittel sind derzeit für eine mögliche Verlängerung des Grundwehrdienstes eingeplant, über die die Koalition seit Monaten verhandelt. Tanner will das von der Wehrdienstkommission vorgesehene Modell eines achtmonatigen Grundwehrdienstes und zwei Monaten verpflichtende Milizübungen umsetzen, sie hoffe auf eine Einigung vor dem Sommer. „Wenn über das Budget 2028 noch einmal Verhandlungen stattfinden, könnte das hineinkommen“, zeigt sich Tanner am Donnerstag zuversichtlich.
Kopfzerbrechen bereitete den Regierungsparteien die Nachfolge für die Eurofighter – die 15 Abfangjäger müssen bis 2035 ersetzt werden. Die ÖVP wollte die Nachfolge schon im Doppelbudget absichern, Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) soll gebremst haben. Im Ministerrat habe die Koalition am Mittwoch allerdings ein „klares Bekenntnis zur aktiven Luftraumüberwachung abgegeben“, sagte Tanner. Dass die Flieger bisher nicht im Budget abgebildet sind, beunruhige sie nicht. Bei derart großen Beschaffungen sei ohnehin eine Sonderfinanzierung nötig, Ratenzahlungen für neue Flugzeuge würden auch erst in einigen Jahren fällig werden.
https://www.kleinezeitung.at/artikel/29 ... -mehr-geld
Trotz Budgetplus für das Bundesheer: Aufbauplan unter Druck
https://militaeraktuell.at/trotz-budget ... ter-druck/
Ö1 Abendjournal
18:06
Auch das Bundesheer hat ein Sparbudget
https://oe1.orf.at/player/20260611/834985/1781193991000