Experten mahnen Regierung
"Wenn du Frieden willst, bereite dich auf Krieg vor"
https://www.heute.at/s/wenn-du-frieden- ... -120202869
Bei Wehrdienstreform
Niessl: „Regierung eiert seit Jänner nur herum“
https://www.krone.at/4162945
Medienberichte 2026
-
theoderich
- Beiträge: 29786
- Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13
Re: Medienberichte 2026
Zuletzt geändert von theoderich am Mi 3. Jun 2026, 13:18, insgesamt 2-mal geändert.
Re: Medienberichte 2026
Und die Schweizer kommen mit vier Monaten Rekrutenschule aus und danach Milizübungen, wieso geht sich das wieder aus?
-
theoderich
- Beiträge: 29786
- Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13
Re: Medienberichte 2026
Das Schweizer Milizsystem ist mit dem System in Österreich überhaupt nicht vergleichbar. Alleine durch die sehr hohen Hürden beim Zivildienst - in Österreich kann man sich freiwillig für den Zivildienst entscheiden und die Politik hat in den letzten zwanzig Jahren jede erdenkliche Maßnahme gesetzt, um diesen trotz längerer Dauer attraktiver zu machen als den Grundwehrdienst. In der Schweiz gibt es dagegen eine eigene "Bewilligungsinstanz", die die Zulassung zum "waffenlosen Dienst" ablehnen kann:
Von wegen "die Schweizer kommen mit vier Monaten Rekrutenschule aus":
Die Rekrutenschule dauert 18 Wochen, also viereinhalb Monate, gefolgt von sechs Wiederholungskursen à 19 Tagen und 4 Tagen "Vorbereitungs- und Entlassungsarbeiten". Das gilt aber nur für die Mannschaftsdienstgrade! Bei den Unteroffizieren ist die Dauer der Dienstpflicht schon etwa doppelt so lange (440 - 680 Tage), bei den Offizieren beläuft sie sich auf 680 bzw. 715 Tage.
Diese Wiederholungskurse sind jährlich zu absolvieren!
In Österreich üben Milizsoldaten nur alle zwei Jahre. Dabei kommt das Mobschlüsselpersonal auf 7 - 19 Tage (2 - 6 Tage Vorstaffelung; 4 - 12 Tage BWÜ; 1 Tag Nachstaffelung des Kaders), die Mannschaften üben nur 4 - 12 Tage (81. Durchführungsbestimmungen für Waffenübungen (DB WÜ); Neufassung 2018 – Anordnung. Erlass vom 3. Juli 2018, GZ S93747/53-AusbA/2018).
Hinzu kommt noch die Einführung neuer Waffensysteme bei den Jägerbataillonen der Miliz - mindestens zwei dieser Bataillone werden in den nächsten Jahren mit "Pandur EVO", inkl. Systemvarianten, ausgestattet. Natürlich benötigt man dafür eine intensivere Ausbildung:
https://www.armee.ch/de/militaerdienst-rs-und-wkWaffenloser Dienst
Militärdienstpflichtige, die den bewaffneten Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, reichen beim Kreiskommando des Wohnortkantons ein schriftliches Gesuch um Zulassung zum waffenlosen Militärdienst ein. Das Gesuch ist von Stellungspflichtigen spätestens einen Monat vor den Rekrutierungstagen, von Militärdienstpflichtigen spätestens drei Monate vor der nächsten Militärdienstleistung einzureichen. Der Gesuchsteller muss im Gesuch ausdrücklich erklären, waffenlosen Militärdienst leisten zu wollen. Er legt die persönlichen Gründe dar, welche sie zum Gewissensentscheid gegen den bewaffneten Militärdienst geführt haben. Gesuche, die nicht termingerecht eingereicht werden, können vor der bevorstehenden Militärdienstleistung nicht mehr behandelt und entschieden werden und haben somit für diese keine Gültigkeit. Wer sein Gesuch fristgerecht einreicht, leistet den Militärdienst ohne Waffe und ist von der ausserdienstlichen Schiesspflicht dispensiert, bis über das Gesuch rechtskräftig entschieden ist.
Dem Gesuch sind folgende Unterlagen beizulegen:
a) einen ausführlichen Lebenslauf;
b) einen aktuellen Auszug aus dem zentralen Strafregister (Gültigkeitsdauer: 3 Monate);
c) das Dienstbüchlein;
d) Berichte, in denen Vertreter staatlicher oder kirchlicher Instanzen, religiöser Gemeinschaften oder andere Personen, die den Gesuchsteller persönlich kennen, die Haltung des Gesuchstellers darstellen und aus ihrer Sicht würdigen.
Das Gesuch wird durch eine Bewilligungsinstanz entschieden, die sich wie folgt zusammensetzt:
§ dem Kommandanten des Rekrutierungszentrums oder seinem Stellvertreter (Vorsitz);
§ einem Kreiskommandanten oder Kreiskommandantenstellvertreter des betreffenden Einzugsgebietes;
§ einem Arzt.
Der Gesuchsteller muss persönlich an der Verhandlung erscheinen. Er kann sich von einer Person seines Vertrauens begleiten lassen. Die Bewilligungsinstanz entscheidet nach Anhören des Gesuchstellers. Auf Gesuche, die nicht genügend begründet werden, oder nur deshalb gestellt werden, um sich die Unannehmlichkeiten des Waffentragens zu ersparen, wird nicht eingetreten. Bei Unklarheiten kann die Bewilligungsinstanz eine Ergänzung der Unterlagen anordnen und den Gesuchsteller zu einem späteren Zeitpunkt nochmals aufbieten lassen. Erscheint der Gesuchsteller aus eigenem Verschulden nicht vor der Bewilligungsinstanz, so gilt dies als Verzicht auf das Gesuch.
Gegen den Entscheid der Bewilligungsinstanz kann der Gesuchsteller innert 30 Tagen ab der schriftlichen Eröffnung beim VBS Beschwerde führen.
Von wegen "die Schweizer kommen mit vier Monaten Rekrutenschule aus":
Die Rekrutenschule dauert 18 Wochen, also viereinhalb Monate, gefolgt von sechs Wiederholungskursen à 19 Tagen und 4 Tagen "Vorbereitungs- und Entlassungsarbeiten". Das gilt aber nur für die Mannschaftsdienstgrade! Bei den Unteroffizieren ist die Dauer der Dienstpflicht schon etwa doppelt so lange (440 - 680 Tage), bei den Offizieren beläuft sie sich auf 680 bzw. 715 Tage.
https://www.armee.ch/de/militaerdienst-rs-und-wkDauer der Ausbildungsdienstpflicht
Angehörige der Armee der Mannschaftsgrade (Soldaten und Gefreite), die ihre Rekrutenschule nach dem 1. Januar 2018 absolviert haben, leisten während der Dauer der Militärdienstpflicht höchstens 3 Tage Rekrutierung, 124 Tage Rekrutenschule, 6 Wiederholungskurse zu 19 Tagen sowie 4 Tage Vorbereitungs- und Entlassungsarbeiten.
Diese Wiederholungskurse sind jährlich zu absolvieren!
In Österreich üben Milizsoldaten nur alle zwei Jahre. Dabei kommt das Mobschlüsselpersonal auf 7 - 19 Tage (2 - 6 Tage Vorstaffelung; 4 - 12 Tage BWÜ; 1 Tag Nachstaffelung des Kaders), die Mannschaften üben nur 4 - 12 Tage (81. Durchführungsbestimmungen für Waffenübungen (DB WÜ); Neufassung 2018 – Anordnung. Erlass vom 3. Juli 2018, GZ S93747/53-AusbA/2018).
Hinzu kommt noch die Einführung neuer Waffensysteme bei den Jägerbataillonen der Miliz - mindestens zwei dieser Bataillone werden in den nächsten Jahren mit "Pandur EVO", inkl. Systemvarianten, ausgestattet. Natürlich benötigt man dafür eine intensivere Ausbildung:
theoderich hat geschrieben: ↑Di 24. Jun 2025, 22:54So werden mit 01. Jänner 2026 das Jägerbataillon BURGENLAND und das Jägerbataillon NIEDERÖSTERREICH der 3. Jägerbrigade (Brigade Schnelle Kräfte) truppendienstlich unterstellt. Die beiden Jägerbataillone erhalten zukünftig eine Struktur und Ausrüstung, welche grundsätzlich jener der präsenten Jägerbataillone entspricht. Dies bedeutet für diese Miliz-Verbände, dass sie in den kommenden Jahren auf die Befähigung zum Kampf der verbundenen Waffen im Rahmen der Brigade ausgerichtet werden müssen. Der Veränderungsbedarf ist somit erheblich. Die Erreichung dieser Ziele könnte durch die Einführung einer Übungsverpflichtung für die Miliz wesentlich erleichtert werden.
Re: Medienberichte 2026
Danke für die Erklärung des Schweizer Milizsystems, das war aber nicht die Antwort auf meine Frage.
Warum in Österreichs acht Monate am Stück und in der Schweiz vier einhalb?
Ein ähnliches Modell wurde ja bereits von der Komission abgelehnt.
Warum in Österreichs acht Monate am Stück und in der Schweiz vier einhalb?
Ein ähnliches Modell wurde ja bereits von der Komission abgelehnt.
-
theoderich
- Beiträge: 29786
- Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13
Re: Medienberichte 2026
Landesverteidigung mit Mooren und Auen: Renaturierung gegen Russlands Panzer
https://www.derstandard.at/story/300000 ... e1_zonekur
https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2014/1566/de
Die acht Monate Ausbildungszeit werden im Bericht der Wehrdienstkommission übrigens sehr ausführlich begründet:
https://www.derstandard.at/story/300000 ... e1_zonekur
Die Verkürzung der Rekrutenschule von 21 auf 18 Wochen ist 2014 im Zuge der WEA eingeführt worden und hatte weniger praktische als organisatorische Gründe. Begründung war die Ermöglichung für Kaderanwärter ihre Ausbildung in einem Stück zu absolvieren und die Infrastruktur besser auszulasten. Allerdings wurden die 18 Wochen explizit als das absolute Minimum bezeichnet, das bei einer weiteren Verkürzung zu einem "mangelhaften Ausbildungsstand der einzelnen Angehörigen der Armee", der Beeinträchtigung des sicheren Umgangs mit Waffen und zu Einschränkungen bei der Zusammenarbeit im Verband führen würde.
https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2014/1566/de
Die acht Monate Ausbildungszeit werden im Bericht der Wehrdienstkommission übrigens sehr ausführlich begründet:
Der Ausbildungs- und Trainingsstand der Soldaten muss zum Ende der Ausbildung auf
einem Niveau sein, welches einen sofortigen militärischen Einsatz ermöglicht. Das bedeutet, dass diese mit ihren Waffensystemen und ihrer Ausrüstung bestens vertraut sind und ihre Funktion auch in größeren militärischen Formationen [Militärische Führungsebenen der Größenordnungen: Kompanie (bis zu 200 Personen), Bataillon (bis zu 1.000 Personen) oder Brigade (bis zu 6.000 Personen).] wahrnehmen können. Gleichzeitig erfordert moderne Ausrüstung längere und intensivere Ausbildung.
Aktuell ist der Ausbildungsstand der Soldaten mit abgeschlossenem Grundwehrdienst nicht auf dem
Niveau, das einen sofortigen militärischen Einsatz in
ihren militärischen Formationen in allen Aufgaben der
Militärischen Landesverteidigung ermöglicht. Der Grundwehrdienst dauert aktuell 6 Monate. Dabei werden die Soldaten so ausgebildet, dass sie im Umgang mit ihrer persönlichen Ausrüstung geschult sind und in den kleinsten militärischen Formationen [Militärische Führungsebenen der Größenordnungen: Trupp (bis zu 4 Personen), Gruppe (bis zu 10 Personen) oder Zug (bis zu 60 Personen).] zusammenwirken können.
Die Grundwehrdiener sind mit Abschluss des Grund-
wehrdienstes in ihrer Einzelfunktion grundsätzlich „feldverwendungsfähig“, haben aber innerhalb ihres militärischen Verbandes noch nicht die Einsatzbereitschaft zur Militärischen Landesverteidigung erreicht. Diese Einzelausbildung und die Ausbildung zum Zusammenwirken in kleineren Formationen benötigt mehr Zeit, als aktuell im Grundwehrdienst vorgesehen ist.
https://www.bmlv.gv.at/archiv/a2026/pdf ... 260120.pdfDie Ausbildung zum Zusammenwirken in größeren militärischen Formationen, die sogenannte Truppenausbildung, kann in der kurzen Zeit nicht erfolgen. Mit der Reduktion der Dauer des Grundwehrdienstes von 8 auf 6 Monate wurde diese Truppenausbildung beinahe gänzlich gestrichen.
-
theoderich
- Beiträge: 29786
- Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13
-
theoderich
- Beiträge: 29786
- Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13
Re: Medienberichte 2026
- Türkis-Rot-Pink und die Heeresreform: Feigheit ohne Feind (Leitartikel)
https://kurier.at/meinung/leitartikel/o ... /403165880Wirkung vor Deckung. So lautet ein (alt)bekannter taktischer Grundsatz im Militär. Er besagt – vereinfacht gesprochen –, dass die Erfüllung des Auftrags und das Erreichen des Ziels Vorrang vor dem bloßen persönlichen Schutz haben. Das ist effektiv, im besten Fall auch effizient. Allein: Mit den Mechanismen der österreichischen Parteipolitik ist dieser Grundsatz leider nicht kompatibel. Das führt uns ausgerechnet die Debatte über die Reform der Wehrpflicht vor Augen. Fast scheint es, als handle die Dreierkoalition nach gegensätzlicher Maxime: Deckung vor Wirkung also.
Statt die überfällige Verlängerung des Grundwehrdiensts samt Ausbau der Übungsverpflichtung für die Soldaten (die analoge Verlängerung des Zivildiensts denken wir gleich mit) auf den Weg zu bringen, übt sie sich im Tarnen, Täuschen und Wegducken. Um im Militärjargon zu bleiben: Seit die Expertenkommission ihre (gut ausgearbeiteten) Vorschläge präsentiert hat, befinden sich ÖVP, SPÖ und Neos im Stellungskrieg gegeneinander. Wer den Kopf aus der Deckung streckt, hat mit „Friendly Fire“ zu rechnen. Mit so einer Koalition gewinnen wir keinen Krieg.
Besonders irritierend ist die Position der Neos, die sich – salopp gesagt – dadurch auszeichnen, irgendwie einfach gar keine Position zu haben, sich zugleich aber herausnehmen, auch keinen Gefallen an den Vorschlägen der Experten oder den Vorstellungen der größeren Koalitionspartner ÖVP und SPÖ zu finden. Dass die Pinken mit Parteichefin Beate Meinl-Reisinger ausgerechnet die Außenministerin stellen, ist ein Treppenwitz: Wer, wenn nicht sie, sollte wissen, wie dringend wir angesichts globaler Kriegs- und Konfliktlagen ein zeitgemäß ausgebildetes Heer benötigen. (Ob sich Österreich mit seinem verteidigungspolitischen Gezaudere für den angestrebten Sitz im UN-Sicherheitsrat empfiehlt, ist übrigens eine andere Frage. Vielleicht kann man sie Meinl-Reisinger in New York stellen, wo sie bei der UNO derzeit freundliche Nasenlöcher macht.)
Woher die pinke Feigheit vor dem Feind rührt, ist unklar. Nicht zuletzt, weil gar kein nennenswerter Gegner der Reform zu identifizieren ist: Militärexperten, Hilfsorganisationen und Wirtschaft (ja, sogar die Neos-affine Industriellenvereinigung) mahnen im Wochenrhythmus zur Eile. Und auch die breite Bevölkerung ist sich – das zeigen diverse Umfragen – der Notwendigkeit der Reform bewusst. Der Feind muss also irgendwo im pinken Inneren stecken. Es wäre Zeit, dass die Neos ihm den Kampf ansagen.
Übrigens: In dunklen Kriegszeiten wurde die „Feigheit vor dem Feind“ in Heeren einst oft sogar mit der Todesstrafe geahndet. Heute kann sie zumindest noch zum politischen Tod führen. Die Freiheitlichen schauen beim koalitionären Selbstmord interessiert zu.
kurier.at, best | 03.06.2026, 18:15
