DIE TRAINER FRAGE -
auf der Suche nach einem neuen Jettrainer

Die Saab 105 Oe - vor dem Draken Österreichs einziger Abfangjäger, bis Mitte der 1990er Jahre auch Jagd- bomber und Aufklärer, heute eingesetzt 'Abfangjäger light', VIP-Transporter und natürlich auch als Jettrainer des Bundesheeres.
© Georg Mader


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Die Planungen für die Zukunft der Jetpilotenausbildung in Österreich haben längst begonnen. Die angestellten Überlegungen reichen vom Nachrüsten der Saab 105 Oe Flotte, über die Ausgliederung eines möglichst großen Teils der Jetpilotenausbildung an das Ausland, bis hin zur Beschaffung eines neuen Jettrainers - und natürlich werden auch Kombinationen dieser Varianten geprüft.

Der derzeit als Jettrainer verwendete Typ Saab 105 Oe ist ein Entwurf der 1960er Jahre und nicht geeignet, Piloten für den späteren Umstieg auf den Eurofighter Typhoon auszubilden. Darüber hinaus haben die in den Jahren 1970 bis 1972 ausgelieferten Maschinen bereits jeweils 4.000 bis 4.500 Flugstunden hinter sich und erreichen das Ende ihrer Lebensdauer. Von den ehemals 40 beschafften Flugzeugen sind nur mehr 28 Maschinen vorhanden. Da für selten gewordene Ersatzteile einzelne Maschinen bereits kannibalisiert wurden, sind trotz Dauereinsatz der Techniker zeitweise nur mehr 6 bis 8 Maschinen tatsächlich flugtauglich - und das zu erheblich gestiegenen Betriebskosten.
Rund 50 Wartungsstunden sind bereits für eine Flugstunde notwendig.
 
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© Eurofighter Das Saab 105 Cockpit (oben) mit seinen analogen Instrumenten. Die Flugsteuerung erfolgt noch nicht nach dem heute üblichen HOTAS-Prinzip (Hands On Throttle And Stick - "Hände an Schubregler und Steuerknüppel").
Zum Vergleich links oben das mit mehreren Multifunktionsbildschirmen ausgestattete "Glascockpit" des Eurofighter Typhoon. © Doppeladler.com
 
Ein mögliches Nachrüsten von 16 bis 22 Saab 105 Oe mit zeitgemäßen Glascockpits und anderen Avionik-Komponenten macht die Flugzeuge nicht jünger und verbessert auch nicht die Ersatzteillage. Für die Kosten eines tiefer greifenden, gründlicheren Update-Programms würde man schon einige wenige moderne Maschinen bekommen. Für das Nachrüsten der Saab 105 gibt es konkrete Angebote aus der Industrie. Die Kosten für das "kleine Paket" liegen bei etwa 2,5 Mio. Euro pro Maschine.

Aufgrund des geringen Bedarfs an auszubildenden Jetpiloten wäre die vollständige Auslagerung der Jetpilotenausbildung an eine "Partner-Luftwaffe" oder an ein internationales Trainingsprogramm denkbar. Bereits heute, wo viele der Piloten auf den Überschall-Jets Saab Draken und F-5 Erfahrungen sammeln konnten, muss durch den nicht nachvollziebaren Verzicht auf eigene Typhoon-Doppelsitzer zumindest die "Type Conversion" (Einschulung in den Eurofighter) bei der Deutschen Luftwaffe in Laage durchgeführt werden.

 

BAE Systems Hawk 115 CT der NFTC. Seit Juni 2007 trainieren auch Österreicher in Kanada. Berührungsängste mit diesem NATO-Programm gibt es offenbar keine.
© RCAF

 
Seit Juni 2007 hat sich Österreich beim NATO Flying Training in Canada (NFTC) eingekauft. In Kanada ist es möglich, die Grundausbildung auf dem Propellerflugzeug "Harvard II" sowie die Düsengrundschulung bis zur taktischen Ausbildung auf der BAE Systems Hawk 115 CT durchzuführen. Für die Zukunft hofft man auf das AEJPT (Advanced European Jet Pilot Training) - Programm, das eine gemeinsame Ausbildungsstruktur für europäische Jetpiloten zum Ziel hat. Österreich ist Projektpartner. Doch AEJPT kommt nicht in Schwung und die Realisierung ist noch nicht gesichert. Auch in anderen Staaten gibt es Pläne für internationale Ausbildungslehrgänge. Angesehen hat man sich z.B. die spanische Talavera European Fighter School (TEFS), wo auf modernisierten F-5M geflogen wird. Finnland plant ein Nordic Pilot Training Centre. "Unterkriechen" könnte man eventuell auch bei der italienischen Luftwaffe.
Natürlich heisst Auslagerung auch Verlust an militärischen Kapazitäten (auch ein Strahltrainer kann in Konfliktsituationen eingesetzt werden) und an hochqualifizierten Arbeitsplätzen im Inland.

Das Bundesheer benötigt Unterschall-Jets jedoch nicht nur zu Ausbildungszwecken. Die Flugzeuge sollen auch als Abfangjäger im unteren Geschwindigkeitsbereich, vor allem bei den Luftraumsicherungsoperationen für Großereignisse (Fussball-EM, Staatsbesuch etc.) zum Einsatz kommen.
Das Einsatzkonzept sieht einen gestaffelten Einsatz verschiedener Muster vor: Hubschrauber schützen den Nahbereich, propeller- getriebene PC-7 werden auf langsame bzw. niedrig fliegende Ziele angesetzt und die Eurofighter auf schnelle bzw. sehr hoch fliegende Ziele. Die Fähigkeitslücke zwischen PC-7 und Eurofighter wird derzeit durch mit Maschinenkanonen bewaffnete Saab 105 geschlossen. Dieses System hat sich hervorragend bewährt und die Erfahrung zeigt, dass bei Luftraumsicherungen gerade die PC-7 und Saab 105 die Hauptlast zu tragen haben.
Berücksichtigt werden sollte auch noch die Möglichkeit, dass den Typhoons - wie in Friedenszeiten üblich - aufgrund eines technischen Problems ungeklärter Ursache ein befristetes Startverbot auferlegt werden könnten und in dieser Zeit ein zweiter bewaffneter Jet zur Verfügung stehen sollte.
 
Saab 105 Oe mit zwei 30mm Maschinenkanonen - Pods unter den Tragflächen. Im scharfen Schuss wird kaum noch geübt, denn der Rückstoß der Kanonen macht die Waffe für den alters- schwachen Jet bald ebenso gefährlich wie für das Ziel. Das Foto rechts wurde während der Luftraumsicher- ungsoperation für das World Economic Forum 2005 aufgenommen.
© Andreas Stöckl

 
Der Jettrainer soll den Eurofighter-Piloten auch zum Absolvieren der erforderlichen 100 Mindestflugstunden pro Jahr dienen. Dieses österreichische Unikum ist das Ergebnis der Einsparungen bei Anschaffung und Betrieb der Eurofighter Typhoon. Der "Download" von Eurofighter-Flugstunden auf den Jettrainer-Typ soll Betriebskosten sparen und die nur 15 zur Verfügung stehenden Abfangjäger für Einsätze, Wartungsereignisse und unerlässliche Ausbildungseinheiten freispielen. Wird kein zeitgemäßer Trainer beschafft, sind die Piloten zum regelmäßigen Umsteigen zwischen unterschiedlichen Jet-Generationen gezwungen.

Aus den oben genannten Gründen ist es unabhängig von der Teilnahme an Kursen im Ausland notwendig, im Inland eigene Jettrainer zu betreiben!

Aus den oben genannten Anforderungen lässt sich auch ein Profil für den neuen Jettrainer ableiten: ein möglichst leistungsfähiges Flugzeug, mit Glascockpit und moderner Avionik, Bewaffnungsoption für Luft-Luft- Waffen (zumindest Maschinenkanonen) und Flugsteuerung nach dem HOTAS Prinzip. Die erforderliche Stückzahl ist theoretisch vom Ausmaß der Zusammenarbeit mit anderen Staaten in der Jetpilotenausbildung oder der Teilnahme an multinationalen Ausbildungsprogrammen abhängig, in der österreichischen Praxis jedoch grundsätzlich durch die zur Verfügung stehenden Mittel begrenzt. Von mindestens 6 Maschinen im Inland ist die Rede.

Nachfolgend stellen wir einige der in Frage kommenden Typen vor.
 

Alenia Aermacchi MB-339CD oder FD (Italien)

© Alenia Aermacchi

Die MB-339 ist weltweit als Jettrainer und leichtes Kampfflugzeug im Einsatz. Der Erstflug fand bereits am 12.08.1976 statt, doch die modernsten CD und FD Versionen verfügen über moderne Avionik und Glascockpit. Bekannt ist das Flugzeug durch seine hohe Wendigkeit, die auch vom italienischen Kunstflugteam Frecce Tricolori sehr geschätzt wird. Die MB-339 dürfte sowohl (noch) fabrikneu als auch gebraucht und aufgerüstet erhältlich. Malaysia hat Ende 2006 für 8 fabrikneue MB-339CM (ähnlich CD) etwa 88,7 Mio Euro bezahlt - inkl. Ersatzteile, Bodengerät und diverse Dienstleistungen.

Erstflug: 12.08.1976; CD Version: 24.04.1996
Länge: 11,24m / Spannweite: 11,22m / Höhe: 3,94m / Flügelfläche: 19,30m²
Leergewicht: 3.340 kg
Max. Startgewicht: 6.350 kg
Triebwerke: Rolls Royce Viper Mk 632-43 mit 19,6 kN Schub
Höchstgeschwindigkeit: 926 km/h
Dienstgipfelhöhe: 14.020 m
Steigrate: 35 m/s
Bewaffnungsoption: 6 Aufhängepunkte (u.a. Sidewinder, 7,62mm Gatling-Pods, 30mm DEFA MK-Pods)

 
Alenia Aermacchi M-346 (Italien)

© Alenia Aermacchi

Die M-346 ist eine Neuentwicklung von Alenia Aermacchi und mit fortschrittlichster Fly-by-Wire Technik und Avionik zur Ausbildung von Piloten für die modernste Jet-Generation gedacht. Die M-346 soll dank mehrfach redundanter Systeme und zwei leistungsstarken Triebwerken besonders sicher sein. Die M-346 ist von den hier vorgestellten Kandidaten jenes Flugzeug, das am ehesten an Look & Feel eines Eurofighters heranreicht. Das internationale Interesse ist entsprechend groß, bislang steht allerdings nur ein Auftrag über 14 Maschinen für Italiens Luftwaffe in den Büchern, die mit dem Jet Typhoon und F-35 Piloten ausbilden will. Die Entscheidung für die
M-346 dürfte aufgrund des Programmstands eventuell eine Übergangslösung, z.B. die MB-339 aus gleichem Hause, notwendig machen.


Erstflug: 15.07.2004
Länge: 11,49m / Spannweite: 9,72m / Höhe: 4,76m / Flügelfläche: 23,52m²
Leergewicht: 4.610 kg
Max. Startgewicht: 9.500 kg
Triebwerke: 2× Honeywell F124-GA-200 mit je 27,8 kN Schub Höchstgeschwindigkeit: 1.092 km/h (Mach 1,2 im Sinkflug)
Dienstgipfelhöhe: 13.715 m
Steigrate: 107 m/s
Bewaffnungsoption: 9 Aufhängepunkte

 
BAE Systems Hawk (Großbritannien)

© Royal Air Force

Die Hawk ist der erfolgreichste westliche Jettrainer. Der Typ wird seit Mitte der 1970er Jahre produziert, wurde ständig an den technologischen Fortschritt angepasst und befindet sich immer noch in Auslieferung - derzeit als Mk 128 an Großbritannien (Trainer für Eurofighter-Piloten) und als Mk 132 an Indien mit moderner Avionik und Glascockpit. Die Hawk, die auch als Flugzeug der Kunstflugstaffel Red Arrows bekannt ist, ist je nach Variante sowohl fabrikneu als auch gebraucht und aufgerüstet erhältlich.

Erstflug: 21.08.1974; Hawk 128: 27.07.2005
Länge: 12,43m / Spannweite: 9,94m / Höhe: 3,98m / Flügelfläche: 16,70m²
Leergewicht: 4.480 kg
Max. Startgewicht: 9.100 kg
Triebwerke: 1x Rolls-Royce Adour Mk. 951 mit 29 kN Schub
Höchstgeschwindigkeit: 1.028 km/h (Mach 1,2 im Sinkflug)
Dienstgipfelhöhe: 13.565 m
Steigrate: 47 m/s
Bewaffnungsoption: 5 Aufhängepunkte (u.a. Sidewinder, 30mm ADEN MK-Pod)

 
Aero Vodochody L-159B/T1 (Tschechische Republik)

© Aero Vodochody

Die L-159 ist eine Weiterentwicklung der L-39 Albatros mit westlichem Triebwerk, westlicher Avionik und Glascockpit. Der Typ ist derzeit nur in geringer Anzahl in Tschechien im Einsatz. Die L-159T1 entsteht durch den Umbau überzähliger einsitziger L-159A der tschechischen Luftwaffe und ist daher besonders günstig zu haben, dafür besteht jedoch die Gefahr eine Insellösung anzuschaffen, sollten keine weiteren Exportaufträge erreicht werden. Die grundsätzlich baugleiche aber einsitzige L-159A ist u.a. mit Bordradar ausgestattet und wäre eine interessante Eurofighter-Ergänzung bei der Luftraumsicherung.

Erstflug: L-159B: Juni 2002; L-159T1: März 2007
Länge: 12,72m / Spannweite: 9,54m / Höhe: 4,87m / Flügelfläche: 18,8m²
Leergewicht: 4.350 kg
Max. Startgewicht: 8.000 kg
Triebwerke: 1x Honeywell ITEC F 124-GA-100 mit 28 kN Schub
Höchstgeschwindigkeit: 936 km/h
Dienstgipfelhöhe: 13.200 m
Steigrate: 47 m/s
Bewaffnungsoption: 7 Aufhängepunkte
 

Natürlich gibt es auch andere Kandidaten, die die Anforderungen erfüllen würden.
Die Entscheidung über die Zukunft der Jetpilotenausbildung muss bald fallen, da jede Lösung eine gewisse Vorlaufzeit benötigt - wir dürfen gespannt sein!

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