Mit einem militärischen Festakt auf dem Fliegerhorst Nittner in Graz Thalerhof
endeten am 30. Juni 2008 offiziell vier Jahre Flugbetrieb mit der F-5E
Tiger II beim österreichischen Bundesheer. Mit dem Angebot, zwölf F-5
Jets der Schweizer Luftwaffe für vier oder bei Bedarf auch mehr Jahre
an die österreichischen Luftstreitkräfte zu vermieten, hatte der Schweizer
Bundesrat Samuel Schmid im Februar 2004 seinem österreichischen Amtskollegen
Verteidigungsminister Günter Platter aus einer prekären Situation geholfen.
Die Saab Draken hatten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und konnten
nicht mehr länger flugfähig gehalten werden. Eurofighter war nicht in
der Lage, die in der Ausschreibung zur Jagdflugzeugbeschaffung geforderte
typengleiche Zwischenlösung bis zur Verfügbarkeit der von Österreich georderten
Typhoons zu stellen. Innerhalb weniger Wochen war das Projekt "Aquila"
geboren.
|
Der Vertrag sah die Vermietung von zwölf Maschinen F-5E Tiger II
der Schweizer Luftwaffe an Österreich auf die Dauer von vier Jahren,
die Umschulung der Piloten und Techniker, Betriebsmittel sowie Logistik-Support
vor. Die Kosten waren mit 69,21 Mio. € veranschlagt. Bereits im Juli
2004 landeten die ersten Tiger bei der 2. Staffel des Überwachungsgeschwaders
(ÜG) am Fliegerhorst Nittner in Graz-Thalerhof.
Insgesamt wurden achtzehn Piloten und 63 Techniker auf die F-5 umgeschult.
Für Draken-Piloten dauerte die Umschulung fünf Wochen, für
Saab 105-Piloten acht Wochen. Die F-5-Ausbildung fand in Dübendorf
und in Sion (Schweiz) statt. Im Rahmen ihrer Ausbildung absolvierten
alle Piloten auch Scharfschießen in den Verfahren Luft-Boden und
Luft-Luft (Sion 2005). Das letzte Trainings-Scharfschießen Luft-Boden
fand im Mai 2008 auf dem Truppenübungsplatz Allensteig (Ö)
statt.
|
Die Übernahme der QRA (Quick Reaction Alert) erfolgte am 1. Juli
2005. Für die EB (Einsatzbereitschaft) - so die österreichische
Bezeichnung für die QRA - wurden die Tiger mit zwei, fallweise auch
nur mit einer, Luft-Luft-Lenkwaffen AIM-9 P5 "Sidewinder" bewaffnet
sowie die zwei M-39A 20mm-Bordkanonen mit jeweils 280 Schuss scharf aufmunitioniert.
Die EB wurde mit der Alarmrotte sowie einer Ersatzmaschine jeweils von
Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gestellt, bei Bedarf und abhängig
von einer höheren Bedrohungslage auch während der Nachtstunden.
Parallel zur Sicherung des Luftraums wurde mit den Tigern sowohl das Basic
flight training als auch das taktische Flugtraining bis hin zu Luftkämpfen
2 vs. 2 durchgeführt.
Der Flugbetrieb mit dem Tiger verlief im wesentlichen problemlos, auch
die am 18. Juli 2007 bei einer Landung mit eingezogenem Fahrwerk beschädigte
F-5 konnte repariert und wieder in Dienst gestellt werden. Bundesrat Schmid
und Minister Darabos lobten in ihren Ansprachen die gute Zusammenarbeit
sowohl beim Projekt "Aquila" als auch während der EURO
08.
Die von der Schweizer Luftwaffe geleasten F-5E flogen während der
Fußball-EM ihre letzten Einsätze im Dienste der Luftraumüberwachung.
Sie waren dabei rund 70 Stunden in der Luft. Etwas mehr als acht Stunden
patrouillierten die Tiger zusätzlich an der Grenze zu Slowenien,
als der scheidende US-Präsident dem Nachbarland seinen Abschiedsbesuch
abstattete.
|
Am späten Nachmittag des 30. Juni startete letztmalig eine Tiger-Rotte
von Graz-Thalerhof aus zu einem Patrouillenflug. Gesteuert wurden die
Flugzeuge von Hptm. Andreas Huemer und Hptm. Georg Unzeitig. Schon um
10:45 Uhr waren vier Tiger aufgestiegen, um von zwei Eurofightern bis
an die Staatsgrenze eskortiert von österreichischen Piloten auf den
Schweizer Militärflugplatz Payerne überstellt zu werden.
|